„Hummeln“ produzieren weiße Energie

Erste grundlastfähige Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen der Welt gehen in Neuss ans Netz

Mit einem Investitionsaufwand von mehr als 16 Mio. Euro hat die Neusser HummelEnergie Systeme GmbH Blockheizkraftwerke (BHKW) errichtet. Unter Verwendung von ausschließlich biogenen Rohstoffen produzieren die 30 einzelnen Aggregate Strom und Wärme zur Einspeisung in das öffentliche Netz. Die Verbrennungsrückstände der Anlagen sind dabei so gering, dass sie alle in Deutschland derzeit geltenden Grenzwerte für Kraftwerke weit unterschreiten.

Die HummelEnergie Systeme GmbH trat vor zwei Jahren mit dem Ziel an, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten und ohne Umweltbelastungen zu erzeugen. Das Ergebnis steht heute auf dem rund 12.000 qm großen Betriebsgelände im Neusser Hafen: Die ersten grundlastfähigen Blockheizkraftwerke der Welt mit insgesamt 12 MW elektrischer und 12 MW thermischer Leistung.

Grundlastfähig bedeutet, dass immer eine konstante Mindestleistung an Energie erzeugt werden muss. Bislang galt die technische Umsetzung als extrem schwierig. Aufgrund des Aufbaus aus 30 unabhängigen Einzelaggregaten kann diese Anforderung nun weltweit erstmals durch die Hummel-Kraftwerke erfüllt werden. In Neuss speisen die einzelnen Aggregate den produzierten Strom ins öffentliche Netz ein. Die Abwärme wird zukünftig in ein noch zu errichtendes „Nahwärmenetz Hafen“ abgegeben.

Dieses gemeinsam mit dem Unternehmen gc Wärmedienste GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Neuss GmbH, geplante Wärmenetz trägt in hohem Maße zur Verminderung der CO-Emissionen bei. An anderen Standorten wird die Wärmeenergie durch Absorbtionstechnik in Kälte für Klimaanlagen oder Kühlhäuser umgewandelt.

Hoher Wirkungsgrad der „Hummeln“

Eine „Hummel“, so nennen die Neusser ihre Aggregate gerne, erreicht durch die effiziente Kraft-Wärme-Kopplung einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent. Konventionelle Großkraftwerke erreichen maximal 45 Prozent. Schon der höhere Wirkungsgrad von BHKW allein führt zu weniger Bedarf an Energie aus Großkraftwerken und verringert damit erheblich den klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß. Der Staat fördert diese Entwicklung durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, mit dem bis zum Jahr 2010 im Vergleich zum Basisjahr 1998 eine Minderung der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen von mindestens 20 Millionen Tonnen erzielt werden soll.

Umweltschonende Verbrennung

Ein weiterer technischer Durchbruch ist dem Unternehmen auch in Sachen Umweltschonung gelungen. „Die Motoren verbrennen den biogenen Treibstoff so sauber, dass praktisch keine messbaren Schadstoffe mehr entweichen“, berichtet der technische Geschäftsführer der HummelEnergie Systeme, Jochen Lippert, nicht ohne Stolz. Belegt wird seine Aussage durch die Messungen eines unabhängigen Umweltinstitutes aus Mönchengladbach. Möglich wurde das Ergebnis durch ein neuartiges Motormanagement und eine mit dem deutschen Marktführer gemeinsam entwickelte Abgasnachbehandlungstechnologie.

Feierliche Eröffnung der Anlage im November

Am 28.11.2008 wird das Unternehmen den Startschuss für seine „Weiße Energie“ geben und das Gesamtprojekt offiziell in Betrieb nehmen. „Wir erwarten zu diesem Ereignis viele lokale Unternehmer und Fachleute, die Interesse an der Abnahme von ökologisch gewonnenem Strom und günstiger Wärmeenergie haben“, so Stefan Ofcarek, für Strategie und Unternehmensentwicklung verantwortlicher Geschäftsführer. „Besonders freuen wir uns über das Erscheinen von Repräsentanten der Landes- und Bundesregierung, mit denen wir zusammen ein neues Kapitel der Energiegewinnung aufschlagen werden“.

Das Unternehmen

Die HummelEnergie Systeme GmbH ist ein 2007 gegründetes Tochterunternehmen der Argos Deutschland GmbH. Die Unternehmensgruppe hat ein Stammkapital von rund 2 Mio. Euro und beschäftigt aktuell 15 Mitarbeiter.

Die Hauptgesellschafterin Argos Groep B.V. ist eines der großen unabhängigen Ölunternehmen der Niederlande mit Sitz in Rotterdam. Mit 350 Mitarbeitern wird in 2008 ein Jahresumsatz von 1,5 Mrd. Euro erwirtschaftet.