Breite Kritik von Energiefachleuten: Neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) löst Probleme kaum.

„Die von Bundes-Energieminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel geplante EEG-Reform bremst die bisher erfolgreiche Energiewende massiv aus. Das ist – auch aus Kostengründen – widersinnig, denn bereits heute ist Windkraft an Land die günstigste Möglichkeit Energie zu produzieren.“ Dieter Janecek (MdB), Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Bayern und wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, griff als Hauptreferent der Podiumsdiskussion die Runderneuerung (EEG) durch die Bundesregierung heftig an. Gabriels EEG-Reform beantworte nicht die Frage, wie das deutsche Energiesystem neu strukturiert werden könne. Doch genau eine solche Lösung würde benötigt, meinte Dieter Janecek, also schlüssige „Antworten auf die Fragen von Kapazitätsmärkten, neues Marktdesign und Emissionsreduktion“. Ein Problempunkt, den auch Josef Hasler ansprach, der Vorstandsvorsitzende des Nürnberger Versorgers N-ERGIE AG: „Die Verbraucher werden in deutlichem Ausmaß für Erneuerbaren Strom bezahlen, der nie produziert wurde. Denn zu immer mehr Zeiten findet eine massive Überspeisung an regenerativer Leistung statt.“ Dies führe zu deutlichen zeitlichen Abregelungen der Erneuerbare-Energie-Anlagen und Entschädigungszahlungen an die Anlagenbetreiber. Der N-ERGIE-Chef prangerte zudem die „Netzentgeltsystematik“ im deutschen Stromnetz an. Je mehr Ökostrom-Produzenten selbst gewonnene Energie auch selbst verbrauchen, umso höher werde für alle anderen Stromkunden das Netznutzungsentgelt. Josef Haslers Meinung: Die Selbstversorger würden „einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Netzinfrastruktur zu Lasten der überwiegend städtischen Bewohner, der Mieter und der wirtschaftlich Schwachen gesetzlich legitimiert verweigern“. Ein Problem, das die Regierung im neuen EEG erstmals anpacken will. Doch genau an diesem Punkt setzte Professor Dr. Christoph J. Brabec von der Universität Erlangen-Nürnberg an. Der Leiter des ZAE Zentrum für Angewandte Energieforschung Bayern e.V.: „Diese Novelle des EEGs erhöht den bürokratischen und administrativen Aufwand. Die essentiellen Fragen der Energiewende werden aber nicht adressiert.“ Prof. Brabec kritisierte aber auch das ständige Hin und Her der deutschen Energiepolitik: „Eine so große Maßnahme wie die Energiewende – eigentlich ist es bisher nur eine Stromwende – braucht Nachhaltigkeit in der Planung und Sicherheit in der Umsetzung.“ Auch ein regelmäßig aktualisierter „Masterplan, der alle Akteure berücksichtigt“, sei nicht vorhanden. Dabei wurde einst „das EEG eingeführt, um erneuerbare Energien zu ermöglichen, nicht zu verhindern. Eine Novelle des EEG muss die Wirtschaftlichkeit der EE fördern, statt sie zu beschränken.“ Zumal die Erneuerbaren heute oft bereits wettbewerbsfähig Energie erzeugen, wie der Energiewissenschaftler erläuterte. Eine These, die Thomas Vogel aufgriff. Für den Geschäftsführer der Projektsparte beim Nürnberger Systemanbieter Frankensolar „regelt die Neufassung des EEG auch weiterhin nicht die Energiewende in der Gesamtheit, sondern betrachtet nur pauschalisierte branchenspezifische Gegebenheiten. Das führt zu einer Verunsicherung der Kunden.“ Deshalb ist die Novelle für ihn „nur neuer Wein in alten Schläuchen“, welche die Energieversorgung weiter nach herkömmlichen Gesichtspunkten betrachte. „Wenige große Energieversorger regulieren so zentral den Markt“, steht für Thomas Vogel fest. Für ihn aber sollte „die Neufassung des EEG die Chancen der Energiewende ergreifen, welche in der Dezentralisierung liegen“. Georg Hetz, Gründer und Geschäftsführer des „grünen“ Nürnberger Finanzdienstleisters UDI wurde noch grundsätzlicher in seiner Kritik. Für ihn steht eindeutig fest: „Das neue EEG benachteiligt den Privatmann!“ Und ergänzt: Private Anleger hätten durch ihre Investitionen in Erneuerbare Energien in den letzten 20 Jahren einen Öko-Stromanteil von mehr als 20 % pro Jahr ermöglicht und damit die Energiewende erst auf verlässliche Beine gestellt. Diese Investitionen von privaten Investoren seien auch für den weiteren Ausbau der EE notwendig und benötigten entsprechende Anreize“. Abschließend hatte Hetz noch einen einfachen Tipp für die Regierung: “Wer selbst Strom erzeugt, geht sorgsamer damit um. Deshalb gehört die Stromerzeugung der Zukunft in die Hände der Bürger.“ Moderator Dr. Jens Hauch, in Personalunion Geschäftsführer des Energie Campus Nürnberg (EnCN) und der ENERGIEregion Nürnberg e.V. sorgte dafür, dass auch das Publikum ausreichend zu Wort kam. Dr. Michael Fraas, der Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg und Vorsitzende der ENERGIEregion Nürnberg e.V., hatte zuvor in die essentielle Bedeutung des Themas Energie für die Wirtschaft in der Metropolregion Nürnberg eingeführt: „Eine Vielzahl von Unternehmen und deren zigtausend Mitarbeiter produzieren und vermarkten jährlich Energie-Produkte und -Dienstleistungen im zweistelligen Milliardenbereich. Daher sind wir hier in der Metropolregion auf klare Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, ebenso wie auf bezahlbare Strompreise angewiesen.“ Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Energie Campus Nürnberg EnCN, der Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e.V. und den fränkischen Mittelstandsunternehmen Frankensolar und UDI ausgerichtet. Sie fand im Rahmen der bundesweiten „Woche der Sonne“ statt.

Weitere Details unter www.encn.de, www.energieregion.de, www.frankensolar.de, www.udi.de, www.woche-der-sonne.de.

Quelle: Jennifer Riedel-Frankensolar.

Willi Harhammer

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