Balkonkraftwerk – oder die Art und Weise zu Streiten?

Ein Gelehrtenstreit dauert lange und hat für gewöhnlich keine Auswirkungen auf die Praxis. Der Streit um das Balkonkraftwerk und flexible Lösungen mit Solarmodulen ist längst kein Gelehrtenstreit mehr, sondern ein Disput, der in Internetforen ausgetragen wird. Der Nachteil an der Praxis Probleme im Internet zu erörtern ist, dass man kein Fachmann sein muss, um in einer Diskussion erst genommen zu werden. Deshalb entstehen immer mehr Unsicherheit, Fragen und Zweifel – kurz gesagt: Chaos.
Die Positionen sind schnell erörtert. Die Strom- und Energieversorger möchten ihren Kundenstamm nicht verlieren, deshalb waren sie schon immer gegen die Solarbranche. Wer kann es ihnen denn verübeln? Leider muss man diese Grundhaltung der verschiedenen Konzerne immer im Hinterkopf behalten, wenn sie Beiträge posten oder zu dem Thema “informieren”.
Nicht nur die Energieversorger, sondern auch die Handwerksbetriebe, wollen bei diesem Thema mitreden, denn Solarmodule, die ein Laie selber in wenigen Minuten montieren kann sind eine Gefahr für „das Handwerk“. Ohne das Balkonkraftwerk, das jeder schnell anbringen kann, ist der Kunde auf Handwerker angewiesen, die für ihn Solarmodule anbringen, Wechselrichter anschrauben und Strings auf dem Dach verlegen. Wenn der Otto-Normal-Verbraucher selber die Module anbringt, dann würde für das Handwerk ein Geschäftszweig einbrechen. Damit haben wir die zweite Interessengruppe in der Diskussion identifiziert, die nicht zwanfsläufig auf der Seite der Kunden ist.
Zwei Gruppen bleiben noch übrig. Die Solar- und Energiefirmen versuchen ein Produkt, das innovativ und attraktiv ist, an den Kunden zu bringen. Bei diesen Unternehmen treffen Schreiben von Energieversorgern ein (nicht freundlich oder aufklärend, sondern fordernd und mahnend!) – Energieversorger wollen dort nicht konstruktiv an einer Lösung arbeiten, sondern selber Teil des Problems bleiben. Solar- und Energiefirmen sind kleine Firmen, die mit ihrem täglichen Geschäft genug zu tun haben und nicht auch noch ein Rhetorikgefecht mit Konzernen führen können. Kundenanfragen kann eine solche Firma zwar immer beantworten, aber es fehlt die Zeit um Kampagnen zu starten oder groß in Internetforen zu schreiben.
Die letzte (und wichtigste) Gruppe in der Diskussion über die Vorzüge von Balkonkraftwerken fehlt noch. Der Kunde. So einfach wie es klingt, ist es auch: Der Kunde entscheidet über Wohl und Wehe eines Produkts! Entweder der Kunde kauft etwas und gibt dem Unternehmen ein positives Feedback oder er kauft das Produkt nicht und zeigt dem Unternehmen, dass er das Produkt nicht möchte. Durch die Unkenrufe und Zweifel wird der Kunde verunsichert. Der Kunde sieht zwar, dass seine Stromrechnung Jahr für Jahr steigt, aber viele sehen keinen Ausweg, weil sie zur Miete wohnen o.ä.
Letztendlich stehen die Fragen im Raum:
Lässt sich ein Kunde wirklich von Interessensverbänden manipulieren und hört auf die schlechte Presse der Energieversorger? Will der Kunde wirklich dem Energieversorger ausgeliefert sein und nicht selber Strom produzieren? Glaubt der Kunde daran, dass der Strompreis sinkt und man mit Atom- und Kohleenergie ein Konzept hat, das zukunftsfähig ist.
Die Diskussion um das Balkonkraftwerk ist kein Gelehrtenstreit mehr, sondern eine Schlammschlacht mit Interessengruppen um alte Monopole und neue Chancen für den Kunden.

Willi Harhammer

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