Hochinteressant: Shai Agassi, der Visionär der Autobranche

Shai Agassi hat eine kühne Vision: Binnen 15 Jahren will der Öko-Unternehmer Shai Agassi die Welt mit Elektroautos überrollen. Damit das klappt, müssten ihm die großen Hersteller geeignete Fahrzeuge bauen. Zurückhaltung ist keine Stärke von Shai Agassi. “Ich bin das Ende vom Öl”, frohlockt der 40-jährige Manager in einem seiner Firmenvideos. Nach seinem Ausscheiden aus der Computerindustrie ist der in Israel geborene und lange als Kronprinz des deutschen Software-Riesen SAP gehandelte Dauerdynamiker angetreten, die Autowelt zu revolutionieren.
Agassi glaubt fest an diese elektrische Revolution. Er glaubt allerdings auch, dass die
alteingesessenen Autofirmen es ohne seine Hilfe nicht hinbekommen werden. Zwar goutiert der Elektroauto-Enthusiast Konzepte wie den Chevrolet Volt oder Mercedes Blue Zero. Doch letztlich seien die großen Hersteller allesamt auf dem Holzweg. “Selbst noch so fortschrittliche Elektrofahrzeuge werden die Kunden in absehbarer Zeit kaum zufriedenstellen”, kritisiert Agassi. Reichweite, Fahrleistung und Ladezyklen seien noch nicht ausgereift.
Better Place setzt auf elektrische Mobilität. Der Ansatz aber ist anders als bei bisherigen Konzepten. “Wir machen Strom so leicht und schnell verfügbar, wie es heute auf Benzin zutrifft”, behauptet Agassi. Statt weiter am idealen Elektroauto zu feilen und auf den perfekten Akku zu warten, plant Agassi den Aufbau einer komplett neuen Infrastruktur. Zu der zählt neben Ladebuchsen in der Garage und auf Parkplätzen ein Netz spezieller Servicestationen, an denen die Akkus automatisch gewechselt werden können.
Automatischer Batterietausch in drei Minuten
“Wer weiter fahren möchte, muss trotzdem nicht umdenken”, sagt Agassi. Statt die stundenlangen Ladezyklen abzuwarten, rolle man wie bei einer Waschanlage in eine spezielle Box. Sobald das Auto stehe, lege sich eine Montagevorrichtung unter die Batterie im Wagenboden, löse den leeren Akku und verstaue ihn in einer Ladebox; dann werde automatisch eine volle Batterie aus dem unterirdischen Regal gezogen und in den Wagen eingesetzt.
“Das ganze dauert keine drei Minuten, schon sind sie wieder auf der Straße. Jeder normale Tankvorgang braucht mehr Zeit”, schwärmt Agassi. Umweltfreundlich allerdings ist das Konzept nur dann, wenn die Batterien mit grünem Strom gespeist werden. Das weiß auch Agassi, der bei jedem Projekt lokale Energieversorger ins Boot holt und wiederholt verspricht: “Wir zapfen nur erneuerbare Energiequellen an.” Bei der Wahl der Fahrzeuge lässt Agassi den Kunden im Prinzip freie Hand. “Jedes Auto kann mitmachen, solange es über ein Loch im Wagenboden und eine durch diese Öffnung austauschbare Batterie verfügt”, sagt Agassi. Bislang erfüllt allerdings kein einziges Pkw-Modell diese Kriterien. Und obwohl der charismatische und äußerst redegewandte Agassi bereits bei sämtlichen wichtigen Vorständen vorstellig wurde, hat erst ein Konzern ein entsprechendes Auto in Aussicht gestellt. Autos gibt es zwar noch nicht, aber dafür reichlich Interessenten. Auch Hawaii oder Kalifornien und Australien haben mit dem smarten Israeli Vereinbarungen getroffen, beinahe monatlich kommen neue Regionen hinzu – nur das Autoland Deutschland fehlt bislang auf Agassis Liste. Aber das sei eher ein Problem der Deutschen als eines von Better Place, findet der Visionär. “Wie beim Hybridantrieb wird hier mal wieder ein Trend verschlafen

Willi Harhammer

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