Live-Schaltung in die Antarktis: Polarjahr eröffnet

Das größte Polarforschungsprogramm seit 50 Jahren ist am Donnerstag in Paris und Berlin offiziell eröffnet

worden. Mehr als 50.000 Wissenschaftler aus 60 Nationen wollen über zwei Jahre zusammenarbeiten, um in den abgelegendsten Gebieten der Erde das Eis, die Ökosysteme sowie das Klima zu erforschen.

Es ist das vierte Polarjahr nach 1882/1883, 1932/1933 und 1957/1958. Der Schwerpunkt der rund 220 Vorhaben liege auf der Erforschung der Anpassung der Polarregionen und ihrer Bevölkerung an den Klimawandel, sagte der Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO), Michel Jarraud, bei der Eröffnungszeremonie in Paris.

In Berlin begann das Internationale Polarjahr 2007/2008 mit einer Live-Schaltung in die Antarktis. “Die Polarforschung liefert wesentliche Beiträge zu unserem Klimaverständnis”, sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Frieder Meyer-Krahmer, zur Eröffnung. Polarforscher hätten schon früh auf die gefährliche Wirkung von schädlichen Gasen wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen auf die Ozonschicht aufmerksam gemacht. “Wir räumen der Polarforschung daher einen hohen Stellenwert ein.”

Wegen des umfangreichen Programms in Arktis und Antarktis läuft das von der Weltwetterorganisation (WMO) und dem Internationalen Wissenschaftsrat (ICSU) organisierte Projekt über zwei Jahre, von März 2007 bis März 2009. Die lange Zeit soll eine vollständige und gleichwertige Abdeckung beider Regionen gewährleisten.

Die Forschungen konzentrieren sich unter anderem auf den Zustand der Umwelt, vergangene und künftige Veränderungen der Polarwelt, die Bedeutung der Polgebiete für die übrige Erde, die Rolle der Polgegenden als Standort für Erd- und Weltallobservatorien und das Leben der Menschen in diesen Regionen.

Der Klimawandel hat derzeit große Auswirkungen auf die Polarregionen mit noch umstrittenen Rückwirkungen auf die übrige Welt. Die Gebiete speichern riesige Wassermengen als Eis, die bei einer Schmelze den Meeresspiegel erhöhen würden. Ein Auftauen des Dauerfrostbodens könnte zudem große Mengen des Treibhausgases Methan freisetzen, was die Erderwärmung beschleunigen könnte. Wissenschaftler erwarten, dass sich der Nordpol in den nächsten 100 Jahren um vier bis sieben Grad Celsius erwärmt. Damit wäre der Lebensraum vieler Tierarten bis hin zu den Eisbären gefährdet.

Willi Harhammer

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