PV-Dünnfilmtechnologie am Scheideweg

PV-Dünnfilmtechnologie am Scheideweg
20.08.2010 + Widersprüchliche Signale aus der Photovoltaikbranche betreffs neuer Technologien. Vor zwei Jahren galt die Dünnschichttechnologie als grosse Hoffnungsträgerin der Solarindustrie. Unterdessen sind viele Zweifel aufgetaucht und die herkömmlichen kristallinen Solarzellen, die immer noch rund vier Fünftel des (stark gewachsenen) Weltbedarfs abdecken, haben wieder Boden gut gemacht. Hintergrund ist der stark gesunkene Preis für reines Silizium, von dem die kristallinen Module wesentlich mehr als die neueren Technologien benötigen. Der entsprechende Preisrückgang um den Faktor zehn fiel da schon ins Gewicht. Übrig geblieben von den «dünnen» Träumen sind in erster Linie die auf dem Halbleiter Cadmiumtellurid beruhenden Produkte des US-Herstellers First Solar. Der allerdings hat es allen gezeigt und ist unterdessen der einzige Produzent mit einem Jahresausstoss von mehr als 1 Gigawatt an solarer Leistung. Das bei Kosten, die jene der kristallinen Konkurrenz deutlich unterbieten (unter 1$ pro Watt) und damit den Nachteil des geringeren Wirkungsgrades wettmachen. Allerdings könnten die Tage dieses einzigen erfolgreichen Dünnschichtherstellers gezählt sein – denn der erwähnte Rohstoff ist giftig, in welchem Ausmass bleibt umstritten. Schon hatte die EU ein Verbot ins Auge gefasst, was fürs erste abgewendet scheint, aber langfristig ist dieser Makel dem sonst so nachhaltigen Produkt Solarmodul kaum förderlich. Bleiben also die diversen weiteren Technologien im Dünnschichtbereich, die sich letztlich in erster Linie alle in der Verwendung unterschiedlicher Halbleiter(-kombinationen) auszeichnen. Die geringere Materialintensität erlaubt auch vereinfachte Herstellungsverfahren (zum Beispiel das Bedrucken von Trägerplatten) und einen wesentlich geringeren Energieaufwand (der bei den kristallinen Varianten durch die energieintensive Herstellung von Silizium bestimmt wird). Doch diese Varianten haben es schwer, wie gerade auch wieder die Schweizer Anlagenbauerin Oerlikon Solar vermelden musste. Die Halbjahreszahlen sind alles andere als berauschend, der Auftragseingang sank gegen Null. Immerhin, unterdessen gab der grösste Konkurrent auf, während die eigenen Aufträge seit Juli wieder anzogen. So wurde die Erweiterung von Astroenergy in China bekannt gegeben. Die in Hangzhou – der schönsten Stadt des Reichs der Mitte – ansässige Firma orderte bei Oerlikon Solar Produktionskapazitäten für den Ausbau auf 75 MW – mit der Option für eine gigantische Steigerung auf deren 400.Herstellerseitig ist etwa Sharp gross in die Dünnschichttechnologie eingestiegen, die neben den Preisvorteilen auch solche der Handhabung und der Ästhetik hergibt. Die japanische Firma hat eine gar auf ein Gigawatt ausgelegte Dünnfilmproduktion gestartet und wird entsprechende Firmen in England sowie in Italien bauen. Es gibt aber auch Problemfälle, Unternehmen wie Nanosolar oder Solyndra, beide in den USA beheimatet und mit hunderten von Millionen $ Wagniskapital oder Staatsbürgschaften ausgestattet – auf den Märkten aber noch kaum mit Produkten präsent. Stellvertretend mag eine Begebenheit betreffs Nanosolar herhalten – eine Anfrage von Solarmedia bei der offiziellen deutschen Vertretung (Beck Energy) zum Stand der Dinge blieb schlicht unbeantwortet – und es sind weiterhin keine Anlagen bekannt, die Nanosolar-Module verwenden. Bei Solyndra mit einer speziellen zylinderartigen Modulstruktur immerhin einige, so jene über respektable 16.2 MW für einen kalifornischen Energieanbieter. Nur: ausgerechnet diese Module sind gemäss Marktkennern übermässig teuer und auch gegenüber kristallinen nicht konkurrenzfähig. Solyndra hat denn auch unlängst den vorgesehenen Börsengang abgesagt, den CEO ausgewechselt und mit Brian Harrison einen ausgewiesenen Marketingprofi zum neuen Unternehmensführer ernannt. Und die Produzenten kristalliner Module? Neben Sharp, die auf beiden Technologievarianten Weltmarktpräsenz anstrebt, ist es etwa die deutsche Q-Cells, die mit ihrer Tochter Solibro ebenfalls das breite Sortiment führt. Ganz anders als das grösste chinesische Solarunternehmen Suntech – wobei die Chinesen ganz allgemein inn der Dünnschichttechnologie noch kaum vertreten sind trotz ihrer für den Weltmarkt insgesamt herausragenden Bedeutung. Suntech hat sich gemäss Halbjahresbericht mit grossem Verlust von rund 50 Millionen $ aus dem Dünnfilmabenteuer verabschiedet – und sieht ganz einfach keine technologische Zukunft in diesem Bereich. Die kleine deutsche Sulfurcell konnte kürzlich einen 16-MW-Auftrag aus Asien verbuchen und gilt weiterhin als besonders hoffnungsvolle Vertreterin der Dünnfilmtechnologie. Eine gewisse Ernüchterung über deren Möglichkeiten ist aber offensichtlich – und der Anlagenbauer Oerlikon Solar noch nicht wirklich gerettet. Quelle: Solarmedia 2010

Willi Harhammer

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