Solarenergie macht Schule – Erlangen ist Weltmeister

100% schulische Solardächer – eine Solaranlage an jeder Erlanger Schule. Ein Bericht von Professor Martin Hundhausen
Wir haben gerade unsere Vision aus dem Jahr 2000, an jeder der 33 öffentlichen Schulen in Erlangen eine Solaranlage zu installieren, umgesetzt. Schulsolaranlagen sind sehr wichtig, denn leider ist das Bewusstsein für das Potenzial der Solarenergie noch sehr unzureichend. Teilweise haben die Schüler Bücher, die hoffnungslos veraltet sind und sogar die Physik des Klimawandels falsch darstellen. Es ist also notwen-dig, das Potenzial der Solarenergie deutlich zu machen – in Erlangen, wird bereits ein Viertel des Jahresstrombedarfs aller Schulgebäude umweltfreundlich auf den Schuldächern erzeugt: dies ist der Beitrag der Erlanger Schulsolaranlagen mit einer gesamten Leistung von 707kW. Damit ist auch jedes fünfte Solarmodul in unserer Stadt öffentlichkeitswirksam auf einem Schuldach installiert.

Als das Schulsolarforum gegründet wurde, gab es in Erlangen erst 5 Schulen mit kleinen (1kW) Solaranlagen. Dem erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ist zu verdanken, dass jetzt viel mehr erreicht werden kann. Seit 2000 ist der Betrieb auch für Solaranlagen auf Schuldächern wirtschaftlich möglich, und alles was seitdem installiert wurde – d.h. über 99% der heute installierten Leistung – ist dadurch ent-standen. Wir wurden 2000 bei der Erlanger Stadtverwaltung vorstellig, ob wir an der Heinrich-Kirchner-Grundschule in Büchenbach das Dach für 20 Jahre für die Installation und den Betrieb einer 2kW Solaranlage nutzen durften. Dies war ein Angebot, denn es war angeblich kein Geld vorhanden, um eine solche für die Schule wichtige Demonstrationsanlage auf städtische Kosten zu errichten. So konnten wir uns auf das erste Pilotprojekt einigen – zum ersten Mal wurde eine private Solaran-lage auf einem städtischen Dach errichtet. Bei der Einweihung war auch der für die Schulen zuständige Bürgermeister anwesend und – was noch wichtiger war – eine Stadträtin der CSU, für die Umweltschutz eine besondere Bedeutung hatte. Sie reg-te an, dass das Büchenbacher Beispiel in Erlangen Schule machen solle und stellte einen entsprechenden Antrag, der vom Erlanger Stadtrat einstimmig angenommen wurde: Städtische Dachflächen sollten generell interessierten Investoren für 20 Jahre zur Nutzung überlassen werden. Erlangen war damals die erste Stadt in der Region, die diesen Beschluss gefasst hat – heute ist das bei vielen Städten üblich. Unser zweites Projekt war folgerichtig die Organisation einer größeren Bürgersolaranlage an dem Erlanger Albert-Schweitzer-Gymnasium mit 1000 Schülern. Diese Solaran-lage war 5 Jahre lang die größte Solaranlage in Erlangen und ist mit 67 kW immer noch vorne dabei. Wir haben dort demonstriert, dass es möglich ist, über 50% des Strombedarfs an einer so großen Schule regenerativ zu decken. Dies entspricht für den Strombedarf dieser Schule dem 50% CO-Minderungsziel des Klimabündnisses der europäischen Städte, dem auch Erlangen sich verpflichtet hat. An einer anderen Schule – dem Gymnasium Fridericianum – welches von einem externen Investor für eine größere Solaranlage genutzt wurde, wird bei einer Spitzenleistung von 88kW inzwischen sogar mehr Strom produziert, als die Schule verbraucht.
Bei aller positiver Entwicklung bei größeren Solaranlagen zeigte sich jedoch in Er-langen, dass mehr als die Hälfte aller Schuldächer als Investition uninteressant war. Größere Solaranlagen waren dort aus verschiedenen Gründen nicht möglich – dabei spielt Sanierungsbedarf, statische Randbedingungen und Denkmalschutz eine Rolle. ¨Uber 50% der Schüler konnten also an der positiven Entwicklung nicht teilnehmen – Pech, wenn man auf eine vermeintlich für Solarenergie ungeeignete Schule geht. Für uns, die wir von Anfang an den didaktischen Effekt im Blick hatten, war das nicht akzeptabel, auch wenn die installierten Solaranlagen immer – vor allem auch von der Stadtverwaltung – als vorbildlich herausgestrichen wurden. Eine beim Umweltschutz vorbildliche Stadt darf nicht die Hälfte seiner Schulen vernachlässigen – der Klimaschutz würde sonst auf wirtschaftliche Aspekte reduziert. Mit diesen Argumenten konnten wir in der Stadtverwaltung überzeugen. Im Jahr 2004 wurden weitere 10 Schulen erfasst, die Interesse an einer eigenen Solaranlage hatten und bei denen die Installation einfach erschien. Durch staatliche Unterstützung im Programm Sonne in der Schule der BAFA, in dem es für jede Schule einen Zuschuss von 3000 Euro gab, war es möglich, die notwendigen Restmittel bereitzustellen und so war unse-re Stadt einen deutlichen Schritt weiter gekommen. Nur noch 10 Schulen waren im Jahr 2006 ohne Solaranlage. Dennoch waren wir immer noch nicht zufrieden, da doch ein Drittel aller Erlanger Schüler immer noch ohne Solarenergie an ihrer Schule gelassen werden sollten.
Für jede dieser zehn Schulen mussten wir nun eine Lösung finden, um unser Ziel zu verwirklichen. Oft waren lange Leitungswege, schlechte Dachziegel und letztlich auch der Denkmalschutz zu berücksichtigen. Unterstützung bekamen wir deshalb, weil im Jahr 2007 das Jahresmotto Umwelt organisiert wurde und unser Solarprojekt als Ziel dieses Aktionsjahres aufgenommen wurde. Für jede Schule wurde eine Lösung gefunden. Bei den unter Denkmalschutz stehenden Schulen war es in einem Fall möglich, auf das Turnhallendach auszuweisen und in den anderen Fällen auf dem Ostdach, welches nur vom Schulhof einzusehen ist, eine 1kW Solaranlage mit nur 9 Quadratmetern Fläche von der Behörde genehmigt zu bekommen – das didaktische Ziel wurde also anerkannt.
Die bis 2008 durch unseren Verein installierten Solaranlagen erforderten finanzielle Unterstützung. Wir konnten viele Sponsoren gewinnen, sowie Sachspenden von Solarfirmen einwerben, so auch eine Solarstromanlage von iKratos aus Weißenohe, die uns einige Solarmodule und Wechselrichter kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
Gerade in Schulen ist es unumgänglich auch eine Visionalisierung des Solarertrags zu haben. Wir haben dafür eine eigene Anzeige entwickelt, die in grossen LED-Ziffern die aktuelle Leistung zeigt. Die Anzeige ist in einer größeren Informationstafel inte-griert in der auch ein Foto der Schulsolaranlage gezeigt ist. So können die Schüler die Information zuordnen und z.B. erfahren, dass die Solaranlage auch an bewölkten Tagen etwas bringt.
Heute hat Erlangen als einzige Großstadt nur noch Solarschulen – in der Zeitung wurde davon berichtet, dass in unserer Stadt die Solarenergie Schule macht. Wir hoffen, dass dadurch auch an anderen Schulen in unserer Region die Schüler, Lehrer und Eltern ermutigt werden, sich für die Solarenergie an der eigenen Schule einzusetzen. Das Ziel des Schulsolarforums, nämlich für alle mittelfränkischen Schulen eine Solaranlage zu haben, ist machbar, wenn auch noch viel dafür gearbeitet wer-den muss. Es gibt keine Schule, an der es nicht möglich ist, die Solarenergie im Sinne unserer Kinder zu nutzen – es genügt dabei eine 1kW große Solaranlage mit nur 10 Quadratmetern Fläche. Das Ziel sollte aktiv angegangen werden. Dies kann nur koordiniert gelingen. Das gemeinnützige Solarenergie Informations- und Demon-strationszentrum solid sollte damit beauftragt werden, denn aus unserer Erlanger Erfahrung heraus können wir sagen, dass ein solches Projekt für Mittelfranken kein Selbstläufer ist, sondern dass daran aktiv gearbeitet werden muss. In Erlangen haben wir dafür 8 Jahre gebraucht – in Mittelfranken wird sicher ein Zeitrahmen von 5-10 Jahren notwendig sein.
Die Solaranlage an der eigenen Schule ist eine wichtige Grundlage für die Behand-lung im Unterricht. Um zu verstehen, wie Solarzellen hergestellt werden und wie sie funktionieren empfehlen wir den Einsatz der DVD über Solarstrom aus der Sendung mit der Maus.
Diese ist unter www.bibliothek-der-sachgeschichten.de zu bestel-len und mit der Schullizenz für etwa 25 Euro zu erhalten. Die Solaranlage an der Heinrich-Kirchner-Schule, mit der in Erlangen alles anfing, wird in diesem Video gezeigt.

 
Quelle:
 
Prof. Martin Hundhausen 2008
Sonnenenergie Erlangen e.V.

Willi Harhammer

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